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21 Samurai
Ein Buch von Dr. Gubacsi Attila und
Barta Balázs
Interview mit Lajos Kassai
ISBN 978-963-06-7352-5
Lajos Kassai
Bogenschiessen vom Pferd
Begründer der Kampfkunst
"Der Meister, der zwei Leben lebt,
ist auf dem falschen Weg. Wenn du dein Gesicht wechseln
musst, um im Geschäft hundert Gramm Salami zu kaufen,
solltest du mit dem Fleischer den Platz tauschen."
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Gegenüber dem Eingang
Wir haben tatsächlich gestritten.
Das Interview erhielt seine endgültige Form per E-Mail,
ich sandte eine Reihe von vorbereiteten Fragen und erhielt
eine fertige Reihe von Antworten. Briefe und Telefonanrufe
folgten, aber der Text blieb derselbe. Um Lajos Kassai,
den Begründer der Kunst des berittenen Bogenschiessens,
zu zitieren: "Wenn du mit einem Satz antworten KANNST,
dann MUSST du mit einem Satz antworten." Wir können nur
hoffen, dass der Leser mit den Doppeldeutigkeiten umgehen
kann und dass er hinter den Sätzen dasjenige liest, was
er möchte. Ich verstand das Argument, war aber damit nicht
einverstanden, verstand auch nicht, wie es dazu kam, dass
ich auf dem Feldweg, der zum Kassai-Tal führt, ein wenig
unentschieden war. Und das vor unserem ersten Treffen
und letzten Abstimmen des Textes. Ich konnte einfach meinen
Weg dorthin nicht finden.
Das Auge kann die fünfzehn Hektar
nicht erfassen. Das langgestreckte Kassai-Tal ist überzogen
mit Waldstücken, Seen, Zäunen, Trainingsplätzen für die
Pferde, Stallungen und Pfaden, zu schmal, um sie wahrzunehmen.
Zu weit für die Füsse, um es zu durchmessen. Die Pferde
auf den Hügeln, die Vögel in den Apfelbäumen, die Frösche
in den Seen, eine Wiederholung des gestrigen Morgens,
dasselbe frühlingshafte Wetter, wenn man dem Führer aus
dem Dorf glauben mag.
Als Lajos Kassai das erste Mal
hierher kam, sah er nur das Pferd, das mit ihm durchgegangen
war und ihn in einem wilden Lauf hierher gebracht hatte.
Inzwischen ist aus dem Tal ein durchorganisiertes Anwesen
geworden. Inmitten der Wildnis ein Gebäudekomplex bestehend
aus Haus, Schule und Ver-sammlungsraum. Sähe ich das auf
einer Postkarte, würde ich den Künstler preisen, aber
auf der Spitze dieses Hügels kannst du nur den Schöpfer
preisen, und den Besitzer des Anwesens.
"Es ist nicht mein Leben, das
das Leben der Pferde entscheidet, ihr Leben entscheidet
über meines." Auch wenn dieser Satz nicht ausgesprochen
worden wäre, ich würde dennoch wissen, dass er wahr ist.
Es genügt völlig, sich in diesem Reich umzusehen - überall
Friede und Harmonie, wir sind inmitten des Lebensglücks.
Natur erzeugt immer Perfektion,
nichts geschieht ohne Absicht und unsere Vorfahren wussten
das. Lajos Kassai weiss das auch. Deshalb nimmt er aus
der Geschichte, deshalb lebt und denkt er wie unsere Vorfahren.
Das Wissen um ihre Geschichte und der Respekt vor ihrem
Wissen brachte das Bogenschiessen vom Pferd ins Leben.
Ein Sport, eine Kampfkunst, aber im Wesentlichen ein besonderer
Weg zu leben.
"Spürst du den Geist des Friedens?
Nun, dieser Geist hielt mich hier und meine Pferde spüren
das auch."
Über das Kämpfen
Haben alle Kampfkünste den gleichen
Ursprung?
Krieger werden nur diejenigen, die zum
Krieger geboren sind. Der Krieger ist ein alter Archetyp,
deshalb haben alle Kampfkünste denselben Ursprung. Die
Macht der Umstände entscheidet über den Kampfstil. Deshalb
sind all die auf dem falschen Weg, die glauben, in den
Ähnlichkeiten der Kampfstile läge die Bedeutung des Seins
des Kriegers.
Wie beschreibst du den ungarischen
Kampfgeist?
Der Kampfgeist einer Nation wird
bestimmt durch ihr Verhältnis von Leidenschaft und Klugheit
auf der Höhe ihrer Macht. Unsere Führer trafen ihre Entscheidungen
mit kühlem Kopf und kämpften heissblütig. Die Ursache
aller Fehlschläge lag darin, dass die Leidenschaft die
Nüchternheit in den Hintergrund drängte.
Wie kann das auf die heutige ungarische
Realität angewandt werden?
Schauen wir auf die politische
Realität!
Ist da noch etwas in uns übrig
geblieben von unserem alten Geist?
Wenn der Geist eines Volkes krank
wird, dann degeneriert eine Nation zu Leuten. Wenn die
Situation schlimmer wird, wird aus den Leuten die Masse.
Dann lieben die Bürger das Geld und die Soldaten fürchten
den Tod. Gute Lehrer unterrichten nicht mehr und es wird
zur Schande, Polizist zu sein. Das Zeitalter, in dem wir
leben, katapultiert uns in immer grössere Höhen der Zivilisation,
während die Kultur in den Abgrund sinkt. Der Mensch, der
die Kampfkunst übt, die einst ein Werkzeug war, Blut zu
vergiessen, muss eine immer grössere Rolle darin einnehmen,
die menschlichen Werte zu retten, bevor sie zwischen den
Hügeln der heutigen Gesellschaft verloren gehen. Gibt
es eine grössere Herausforderung als die, ein Stück unserer
verschwindenden Moralität zwischen die Zähne zu nehmen
und durch dieses furchtbare Jahrhundert zu schleppen?
Was kannst du aus deiner Kampfkunst
erfolgreich in dein eigenes, in dein Alltagsleben übernehmen?
Wenn du richtig Karate üben willst,
musst du ein wenig zum Japaner werden. Wenn du Kung Fu
richtig machen willst, musst du ein wenig Chinese werden.
Mit dem berittenen Bogenschiessen blieb ich dort, wo ich
geboren wurde: ein Ungar. Die kulturellen Wurzeln meiner
Kunst reichen so tief, dass nur mehr wenige Menschen diese
noch haben.
Wie siehst du das Verhältnis zwischen
traditionellen und modernen Kampfkunststilen?
Als Jigoro Kano mit Judo begann,
war er modern. Als Morihei Ueshiba Aikido schuf, war er
sehr modern. Als Gichin Funakoshi Karate erfand, war er
modern. Buddha war so modern, dass er es heute noch ist.
Lass dich nicht von den alten, bärtigen Aposteln auf den
Ikonen verunsichern, in der Zeit Jesu waren sie in ihren
Zwanzigern und machten Revolution. Jede Tradition startete
als Reform, und jeder Orthodoxe vergisst das.
Über Philosophie
Können wir über das philosophische
System in deiner Kampfkunst sprechen?
Was sind seine wichtigsten Elemente?
Im Grunde erschuf die Menschheit
zwei grosse Kulturen: die östliche und die westliche.
Der Westen brachte das wissenschaftliche Denken hervor,
grosse Wissenschafter und Entdecker. Diesem Umstand verdanken
wir die Weltsicht der technischen Zivilisation, die uns
umgibt. Der Westen unterwarf die materielle Welt und wurde
ihr Sklave. Der Osten begann in der entgegengesetzten
Richtung und warf sich selbst in die Tiefen der Seele.
Dort gab es keine Wissenschafter, sondern Erleuchtete.
Sie behaupteten, die materielle Welt wäre nur eine Illusion
und arbeiteten daran, sich von dieser Illusion zu befreien.
So wurde der Reichtum der Seele ihr Reichtum, ebenso wie
die materielle Armut, während der Westen inmitten des
materiellen Reichtums völlig seelenlos wurde.
Wie ist das im Bogenschiessen verwirklicht
worden? Der Westen etablierte das Olympische Bogenschiessen,
das sehr erfolgsorientiert ist. Die neuesten technischen
Entwicklungen wurden hier eingesetzt, Stabilisatoren,
verschiedenste Visiereinrichtungen, und die Resultate
verbesserten sich! Kein Mensch schoss jemals so genau
über so grosse Entfernungen! Die grosse Frage ist: Wie
viel Erfolg für den Schützen, und wie viel für die Technologie?
Das Zen-Bogenschiessen, das Kyudo verkörpert den östlichen
Geist. Die Hauptsache ist es hier, innere Harmonie zu
erreichen. Es wird von komplizierten Ritualen begleitet
und nicht in der Hauptsache bestimmt von der Erreichung
von Resultaten. Ich begann meine Karriere als Bogenschütze
im westlichen Stil, später lernte ich Zen-Bogenschiessen
in Japan, in Kamakura. Ich schätze beides und ich habe
von beidem eine Menge gelernt. Ich erkenne heute, dass
man beides kennen sollte, beide Welten kennen muss, die
materielle und die spirituelle, seelenvolle. Durch das
berittene Bogenschiessen erkenne ich die Notwendigkeit,
uns zweigleisig vorwärts zu bewegen, hin zu unserem inneren
Selbst und zur äusseren Welt. Für dieses Bild der Philosophie
des berittenen Bogenschiessens steht der Zentaur.
Denkst du, dass es für den Schüler
wichtig ist, die Lehren hinter den Regeln zu erkennen?
Und warum?
Wenn die Lehren dahinterstehen,
sind sie nichts wert. Stell dir eine Pferdekutsche vor,
mit kraftvollen Pferden und einem tüchtigen Kutscher.
Die Pferde stehen für unsere Gefühle und unsere Emotionalität,
der Kutscher steht für unser Denken, die Kutsche ist unser
Körper. Nun spielen wir mit dem Gedanken, und stellen
uns zwei dünne, unterernährte Gäule vor, einen dummen
Kutscher und eine gebrechliche Kutsche. Jeder einzelne
dieser Faktoren ist genug, um unser Leben von der Geburt
bis zum Tod auf einer Strasse voller Schlaglöcher zu führen.
Wenn du dir die Menschen ansiehst, merkst du, dass jeder
mehr oder weniger Probleme mit seinem karmischen Kutscher
hat. Aber bevor wir zu tief in die Untersuchung unserer
Umgebung versinken, schauen wir kurz in uns selbst hinein!
Was sehen wir vor uns? Müde, alte Pferde oder solche,
die vor Kraft strotzen? Rollt unsere Kutsche leicht dahin,
oder nur auf rostigen Rädern, denen die Speichen fehlen?
Und wir, die wir nüchtern auf dem Kutschbock sitzen, können
wir klar sehen, wenn wir uns selbst betrachten?
Wie können wir die Lehren in unserem
täglichen Leben verwenden?
Wenn wir glauben, es gäbe ein anders
als das tägliche Leben, sind wir auf dem falschen Weg.
Wenn wir Lehren haben, die dazu nicht passen, gehören
sie auf den Misthaufen.
Gibt es Fortschritte? Oder sind
die Jahrhunderte alten Schriften unhinterfragbar?
Die Geschichte der Menschheit ist
die Geschichte von Kriegen. Die Effizienz des Kampfes
steigt immer weiter an, aber die Regeln des Kampfes haben
sich über die Jahrhunderte nicht verändert.
Meinst du, dass du eigene Lehren
schaffen konntest?
Ich war immer ehrgeizig genug,
meine eigenen Lehren zu schaffen. Jedes Mal entdeckte
ich später, dass es schon jemand vor mir getan hatte.
Über den Stil
Was sind die Eckpfeiler, die Grundmauern
des von dir entwickelten Stils?
Das Pferd und der Bogen. Das Pferd
ist die Verbindung zur äusseren Welt, der Bogen ist ein
möglicher Weg in die Tiefen unserer inneren Welt. Der
Schüler übt zunächst beides getrennt, ab einem bestimmen
Niveau schweisst er es zusammen, dann entsteht das Bogenschiessen
vom Pferd.
Mit den ersten hundert Punkten
lernt man die korrekte Handhabung des Bogens und das Reiten,
das Fundament.
In der Phase von einhundert bis
zweihundert Punkten schweisst man das Reiten und das Bogenschiessen
aneinander.
Zwischen zweihundert und dreihundert
Punkten erwacht der Zentaure zum Leben, wir erleben die
Einheit, sie wird zu einem untrennbaren Teil unseres Selbst.
Über dreihundert Punkten ist die
Ebene der Sas. So wurde die militärische Elite der Hunnen
genannt - die Sas Bogenschützen. Der Platz für Seele und
Spiritualität.
Wenn du deinen eigenen Stil jemandem
empfehlen müsstest, wie würdest du das tun?
Ich könnte Zahnpasta empfehlen,
auch ein Reinigungsmittel. Der Meister aber, der seinen
eigenen Stil empfehlen muss, verliert die Bedeutung des
Kriegerseins.
Welche Fähigkeiten und Talente
sind nötig, um das Bogenschiessen vom Pferd zu lernen?
Talent und Fleiss. Ein talentierter
Schüler ohne Fleiss ist armselig. Ein fleissiges Antitalent
ist erträglich. Ein fleissiger Idiot macht dein Leben
zur Hölle, ein talentierter Bösewicht macht es bitter.
Warum hast du diese Form der Kampfkunst
gewählt?
Ich habe sie nicht gewählt, sie
hat mich gewählt.
Wie verbreitet ist sie zu Hause
und anderswo?
Im Moment ist die Kassai-Schule
in den folgenden Ländern vertreten: Ungarn, Deutschland,
den USA, Österreich, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Grossbritannien,
China, Griechenland und Bulgarien.
Heutzutage gibt es von allem im
Überfluss, man muss sich den Regeln der Welt rascher anpassen
als früher. Angesichts dessen, wie siehst du die Zukunft
deiner Kampfkunst?
Die Gründer denken, die Nachfolger
erinnern sich - auf diese Art geht die Zeit mit der Kampfkunst
um. Wenn das Leben langsam ist, langsamer, wenn es schnell
ist, schneller. Wenn ein System unfähig zum Wandel ist,
stirbt es. Nur ein Mensch, der in seiner Gegenwart lebt,
kann Grosses erschaffen. Wer seiner Zeit voraus ist, wird
nur nach seinem Tod leben. Wer seiner Zeit hinterher hinkt,
ist ein lebender Toter.
Wie verändert das jahrelange Üben
der Kampfkunst den Menschen?
Zwei Männer sitzen unter einem
Baum. Der eine ist der Meister, der andere der Schüler.
Der Meister schweigt, der Schüler hört auf des Meisters
Schweigen. Der Schüler ist sechzig, der Meister ein Junge.
Wie sehr sie die Kampfkunst verändert, hängt davon ab,
wie weit sie bei ihrer Geburt waren, manche mehr, manche
weniger. Die physische Kraft und das technische Wissen
können bis ins Unendliche erweitert werden.
Woher kommt die Motivation, woher
die Kraft, die Kampfkunst bis zur Perfektion zu lernen?
Die Quelle der Kraft ist so tief
verwurzelt, dass mein Gehirn sie nicht wahrnimmt, nur
meine Seele kann sie sehen und nur Gott sieht meine Seele.
Da waren etwa dreissig Menschen.
Sie kamen aus einer Schule der Region, um eine ausserordentliche
Geschichtsstunde zu hören. Sie gingen eine Strasse hinauf
und waren im Tal. Sie waren einen Augenblick lang unentschlossen,
ob die Mädchen auf die linke oder rechte Seite der hundertsiebzig
Jahre alten Jurte gehen sollten, die auf dem Hügel steht.
Lajos Kassai löste das Problem: Nachdem sie ihre Schuhe
ausgezogen hatten, schickte er die Mädchen auf die rechte,
die Jungen auf die linke Seite, wo sie sich auf die niedrigen
Bänke setzten. Gegenüber dem Eingang sitzt das Oberhaupt
der Familie. Er erzählt von den Zeiten, als die Ungarn
noch Nomaden waren, der Steppe, dem Leben der Menschen
der Ebenen Asiens. Warum die Stämme von Ost nach West
zogen, warum die Frauen die Jurten bauten, warum da keine
Betten um uns sind, nur gefaltete handgewebte Decken.
Es geschieht nichts Besonderes,
wir lernen einfach. Später, als wir im Wohnzimmer um den
unregelmässig geschnitzten Tisch sitzen, erzählt er über
die Menschen in diesem Buch, die nicht nur Kämpfer, sondern
auch Lehrer sind. Der Kämpfer arbeitet und baut auf, aber
der Lehrer zeigt auch den Weg. Durch sein Leben und seine
Taten, die immer besseren Resultate seiner Schüler, während
er die Ordnung aufbaut, die den Kämpfern die Möglichkeit
gibt, zu lernen. "Lehrer und Kämpfer ..., diese beiden
darf man nicht verwechseln!"
Über die Meister
Wer sind diejenigen, denen du
den meisten Dank schuldest? Die, die im Grunde deine Einstellung
in Bezug auf deine Kampfkunst definiert haben?
Ich kann sie nicht alle auflisten,
das Schicksal hat mich mit so vielen hervorragenden Menschen
zusammengebracht, von denen ich lernen konnte, auch meine
Schüler.
Wie siehst du die Meister-Schüler-Beziehung?
Die Meister-Schüler-Beziehung ist
eine über die Jahrtausende verfeinerte Ordnung, deren
Zweck die optimale Weitergabe des Wissens ist. In den
Kampfkunstschulen nennen wir diejenigen Meister, die durch
ihre Studien dieses Niveau erreicht haben. Aber der MEISTER
ist mehr als das. Er ist derjenige, der den Wert verkörpert
und an den Einzelnen weitergeben kann, ohne jede persönliche
Verbrämung. Durch das Lernen kannst du nur einen Teil
des Wissens erwerben, der Rest muss dich gelehrt werden,
weshalb es keinen Meister ohne Schüler geben kann. Der
Wissensfluss kann niemals nur in eine Richtung strömen.
Die Atmosphäre einer guten Schule wird getragen vom Fluss
der Erfahrungen vom Meister zu den Schülern und von den
Schülern zum Meister. Die Impulse, die nur in eine Richtung
gehen, sind der Tod der Ordnung. Der Wert des Meisters
liegt nicht in seinem brillanten Wissen, sondern in der
Qualität seiner Schüler. Nachdem es die Pflicht des Meisters
ist, sein gesamtes Wissen weiterzugeben, ist es sein Recht,
zu wählen. Nur Narren werfen Perlen vor die Säue. Meidet
den Krug, der auf dem Kopf steht, wir können ihn nicht
füllen. Meidet den durchlöcherten Krug, ganz egal, wie
viel ihr einfüllt, es wird wieder herauslaufen. Meidet
den vergifteten Krug, er sucht in den Lehren nur das,
was er für seine eigenen Zwecke gebrauchen kann.
Die Kampfkunst ist keine demokratische
Institution. Bist du damit einverstanden? Bist du der Meinung,
dass Effektivität nur durch "die rigiden Regeln der Ordnung"
erreicht werden kann?
Nur weil eine Ordnung nicht demokratisch
ist, muss sie nicht notwendigerweise steif sein. Nebenbei,
die höchste Freiheit kann nur erreicht werden, wenn wir
den Regeln makellos folgen.
Wie würdest du dich selbst als
Meister und als Schüler charakterisieren?
Ich sehe mich selbst nicht als
Meister, aber ich sehe die Möglichkeit, einmal einer zu
werden. Ich bin dankbar, dass ich meinen Schülern dienen
kann, und ich bin stolz darauf, ihnen ein Beispiel zu
sein.
Denkst du, dass der Weg, das Wissen
weiter zu geben, in allen Kampfkünsten derselbe ist?
Die Regeln sind dieselben, aber
der Weg ist verschieden - in den Künsten und in den Personen.
Was ist dieser besondere Weg in
deiner Kampfkunst?
Das Pferd soll dich das Reiten
lehren, der Bogen das Schiessen. Meine Pflicht ist es,
den rechten Geist und die richtige Umgebung dafür zu schaffen.
Das Zentrum der Kampfkunst, das ich geschaffen habe, ist
der Ort, der diesen Willen enthält.
Über Wettkämpfe
Was denkst du darüber, dass manche
der Künste zu Sportarten geworden sind?
Über die Techniken des Tötens zu
sprechen, ist schwierig, schon gleich, sie in einen Sport
zu verwandeln. Dazu müssen wir entweder das technische
Repertoire vermindern oder eine Schutzausrüstung verwenden.
Damit verlieren wir das meiste unserer Ausstattung und
die spirituelle Essenz der Kunst verschwindet in der Konsumgesellschaft
unserer Tage. Aber das soll die Sorge derer sein, die
diese Art von Aktivität pflegen. Mit dem Bogenschiessen
vom Pferd verhält es sich völlig anders. Es gibt hier
keine scharfe Trennungslinie zwischen dem Sport und der
Kampfkunst. Der Weg der Vorbereitung hat sich in Jahrtausenden
nicht geändert. Auch unsere Vorfahren nutzten Zielscheiben
in ihrem Training. Diese Ziele kann man mit ein wenig
Erfindungsreichtum so vielfältig nutzen, dass man den
echten Krieg darstellen kann. Und nachdem sich auch die
Natur des Pferdes nicht verändert hat, ist dessen Vorbereitung
die gleiche wie vor tausend Jahren.
Wie schätzt du die Wichtigkeit
von Wettkämpfen ein?
Vorführungen und Wettkämpfe gefährden
die Techniken des berittenen Bogenschiessens nicht, aber
sie gefährden seinen Geist, wenn die Vorführungen Darstellungen
der Selbstwichtigkeit werden und die Wettkämpfe zu Rennen.
Ich denke, wenn diese Dinge in geordneten Bahnen ablaufen
und nicht abweichen, sind sie der richtige Weg. Lassen
wir sie weg, verlieren wir die Möglichkeit, Erfahrungen
zu sammeln und den Charakter zu formen. Ob du keusch sein
kannst, erweist sich im Bordell, nicht im Kloster.
Ist es möglich, das Wissen der
Kampfkunst messbar zu machen? Verlierst du nicht die Essenz
durch die Regeln des Sports?
Nennst du dich selbst einen Krieger,
musst du bereit sein, dein Leben lang zu kämpfen. Die
Wettkampfsituation eliminiert die selbsternannten Propheten
der Kampfkunst. Weil sie Angst davor haben, gemessen zu
werden. Sie flüchten schreiend in den Elfenbeinturm ihrer
falschen Lehren und fürchten jedermann, der ihre intellektuelle
Selbstbefriedigung stört.
Würdest du an Wettkämpfen teilnehmen?
Würdest du dich "messen" lassen?
Ein Wettkampf ist für mich nur
ein Stück vom Kuchen. Plankt sagte, dass Schmutz ein Material
wäre, das nicht an seinem Platz sei. Nicht anders ist
es in der Kampfkunst und in den anderen Bereichen meines
Lebens - die Dinge sollten an ihrem Platz sein und im
richtigen Verhältnis stehen.
Über den Alltag
Denkst du, dass populäre Figuren
wie Filmstars oder Prominente der Boulevard-Presse wichtig
sind, um die Kunst populär zu machen?
Das Problem ist nicht, sie populär
zu machen, sondern die Art und Weise, wie es gemacht wird.
Wenn ich nicht selbst meine Kunst populär gemacht hätte,
wäre sie heute nicht weltweit bekannt. Weniger Menschen
würden die ungarische Kultur kennen und ich hätte weniger
Freunde.
Geld, Geld, Geld
Wenn ich das Geld benutze, ist
das in Ordnung. Wenn mich das Geld benutzt, dann ist das
schlecht. Wenn ein Meister für Geld unterrichtet, ist
das kein Problem. Wenn ein Meister vom Geld seiner Schüler
abhängig wird, dann ist das ein grosses Problem.
Erzähle uns eine Anekdote aus
deiner Karriere
Wenn ich ein Pferd aus einer Herde
ausgewählt habe, das noch nie ein Mensch berührt hat,
und es bei meiner Annäherung davon flattert wie ein Blatt
Papier im Sturm. Wenn wir dann beginnen, mit einander
zu arbeiten und es eines Tages, wenn es mich kommen sieht,
auf mich zukommt und mir seinen Kopf auf die Schulter
legt, dann ist das der Moment, für den sich alle Anstrengung
gelohnt hat. Es ist schön zu sehen, wenn ein Schüler nach
Jahren der Anstrengung seine Pflichten erfüllt und sich
verbessert. Aber das Schönste ist, wenn wir eines Tages
zu Gefährten werden.
Worauf bist du stolz?
Am stolzesten bin ich auf meine
Schüler und ich kann dem Leben nicht genug danken, dass
es mich mit solch vortrefflichen Menschen zusammengebracht
hat.
Wenn du wiedergeboren würdest,
würdest du gerne hierher zurückkommen?
Das soll Gott entscheiden, wo ich
geboren werde.
Wie ist der Privatmensch und wie
ist der Meister?
Der Meister, der zwei Leben lebt,
ist auf dem falschen Weg. Wenn du dein Gesicht wechseln
musst, um im Geschäft hundert Gramm Salami zu kaufen,
solltest du mit dem Fleischer den Platz tauschen.
Die Knoblauchrahmsuppe auf dem
unregelmässigen Holztisch im Wohnzimmer wartet darauf, dass
wir die Brotstücke aus der Bäckerei in Kaposmerö eintunken.
Nach einer langen Rede sage ich schliesslich:
"Wir sitzen jetzt seit zweieinhalb
Stunden hier und ich habe dich nicht einmal lächeln gesehen."
"Weil nichts Lustiges passiert
ist, deshalb."
Ich flüchte mich ins Eintunken,
wahrscheinlich ist mein Vater der letzte gewesen, der mich
dermassen auf meinen Platz verwiesen hat. Ich suche nach
Worten. Ich bin ein wenig verwirrt, weil ich der Wahrheit
noch nicht näher gekommen bin und das auf eine dumme Art
gezeigt habe. Das ist eine schwierige Aufgabe. Du kommst,
hast Dinge gehört und von Dingen gelesen, du hast dich freiwillig
gemeldet, um zehn Seiten über etwas zu schreiben, das zu
erreichen dein Gastgeber ein Lebensalter investiert hat.
Ich fühle die Unlösbarkeit der Aufgabe.
Was denkst du, haben die Menschen
in dem Buch gemeinsam?
Nicht die Lehren machen einen Meister
aus, sondern dass er nach ihnen lebt. Es gibt eine Gemeinsamkeit
der Menschen in Buch: Sie sind alle Krieger-Archetypen.
Daneben ist alles sekundär.
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